Die Geschichte der Firma Betz

Gründung 1842

Als vor 175 Jahren der Grundstein unseres Betriebes gelegt wurde, fuhren noch keine Autos und keine Strassenbahn, es gab noch kein Kraftwerk und die Industrialisierung hat noch nicht begonnen. Der Gründervater Carl Speissegger startete unsere Geschichte mit einem kleinen Sattler- und Tapeziergeschäft im Schaffhauser "Unterhaus". Noch vor der Jahrhundertwende ging das Unternehmen an die Familie Betz über, welche über drei Generationen hinweg eine grosse Fülle an handwerklichen Dienstleistungen entwickelte: Es wurde gesattelt, tapeziert, genäht, gepolstert, Böden gelegt, geschreinert und selber Möbel gebaut. Zudem wurden ganze Einrichtungskonzpte entworfen und dabei wunderschöne Zeichnungen angefertigt. Auch die Liefer- und Montagearbeiten wurden stets mit der hauseigenen Logistik ausgeführt, am Anfang noch mit dem Leiterwagen. So konnte die Kundschaft sowohl mit Planung und Innenarchitektur als auch mit eigenen Möbeln und vielen Dienstleistungen aus einer Hand bedient werden. Dieser Grundgedanke prägt unser Denken und Handeln bis zum heutigen Tag. Unsere Vorgänger waren stets bemüht das Handwerk zu fördern, Arbeitsplätze für die Region zu schaffen, in die Lehrlingsausbildung zu investieren und die Kundschaft voller Leidenschaft ganzheitlich zu bedienen. Wir sind über den Reichtum unserer Geschichte begeistert und fühlen uns geehrt, einen weiteren Abschnitt der Betz-Geschichte schreiben zu dürfen.

Es warten grosse Herausforderungen auf uns und der klassische Fachhandel wird durch die fortschreitende Digitalisierung stark bedrängt. Gleichzeitig eröffnen sich uns grosse Chancen. Wir glauben an die Zukunft! Und wir glauben, dass es auch in Zukunft lokale Geschäfte geben wird. Die Begegnung mit Menschen, die Berühung von Materialien, eine kompetente Beratung und ein einmaliges Verkaufsverlebnis sind Werte, die in der digitalen Welt wieder wertvoller werden. Wenn es uns gelingt, diese Werte mit den neuen Möglichkeiten von Verkaufskanälen und Planungsmöglichkeiten zu verknüpfen, dann wird Betz die Erfolgsgeschichte weiterschreiben können.

Gründung und Aufbau im 19. Jahrhundert

Am 7. Juni 1842 begann Carl Speissegger im "Unterhaus" in Schaffhausen sein Sattler- und Tapezierergeschäft. Bereits acht Wochen später verlegte er es in den "blauen Stern" und zog am 1. August 1843 mit ihm im Haus "Riesen" ein. Mit diesen Umzügen erweiterte sich auch das Dienstleistungsangebot mit Näherei und Tapeziererei. Ab 10. Oktober 1862 war das Geschäft im "Schwarzen Adler", ab 2. März 1883 im Haus "Zun Kaufleuten" und im Jahre 1890 in der Liegenschaft am Ringkengässchen 13 mit einigen zusätzlichen Verkaufsräumen im Haus "Zur Glocke".

Carl Speissegger verstarb am 1. Mai 1895 im 79. Lebensjahr. Der seit 1884 mitarbeitende Eugen Betz leitete die Firma anschliessend weiter und heiratete ein jahr später die Wittfrau Speisseger-Wirth. Am 19. Dezember 1896 übernahm er das Geschäft welches fortan "E. Betz-Wirth" hiess und baute es weiter auf. Seine Frau war von morgens bis abends im Geschäft: Buchhaltung, Rosshaar zupfen, Kunden betreuen - sie war die Seele des Hauses. Tochter Hedwig besorgte den Haushalt und half mit bei der Erziehung des am 1. Januar 1898 geborenen Sohnes Eugen-Heinrich.

Konsolidierung und Weiterentwicklung im 20. Jahrhundert

Eugen-Heinrich Betz begann am 15. April 1913 seine Lehre als Tapezierer und arbeitete anschliessend in Zürich und Bern. Er besuchte von 1919 bis 1920 die "école des arts et métiers" und anschliessend die Kunstgewerbeschule Stuttgart. Dort lernte er auch Walter Knupper, den Sohn eines Winterthurers Schreinermeisters kennen. Über ihn schrieb er nach Hause, dass er ihn gerne näher kennenlernen möchte, was vielleicht später von gegenseitigem Nutzen sein könnte. Und, wie es sich noch zeigen würde, war es das auch. Im Sommer 1922 trat Eugen Betz ins väterliche Geschäft ein und begann sogleich, dieses umzugestalten. Eltern uns Schwester standen seinen Plänen wohlwollend gegenüber und unterstützen ihn immer wieder – wenn manchmal auch mit zweifelndem Kopfschütteln. Das Geschäft wurde so von ihm in neue Bahnen gelenkt.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Entscheidendes, was sich in einer ersten Kunstgewerbeausstellung vom 7. bis 18 April eindrücklich zeigte. Der Erfolg dieser Ausstellung in Schaffhausen war überaus erfreulich, kam es doch zu Tagesbesuchen von über 300 Personen.

Im September 1928 verstarb Mutter Sophie Betz-Wirth im 79. Altersjahr. Sie hinterliess eine grosse Lücke und die Banden zwischen Vater, Tochter und Sohn wurden noch enger. Ab 28. August hiess die Firmenbezeichnung neu "Eugen Betz, Innenarchitekt".

Familienzuwachs und Expansion nach Zürich

Der Raum Schaffhausen wurde langsam zu eng und so entschloss sich Eugen Betz dazu, ab September 1930 gemeinsam mit der Galerie Forter, am Sonnenquai 16 in Zürich Ausstellungsräume mit vier grossen Schaufenstern zu mieten. An der Trittligasse diente ein kleines Gartenhaus als zusätzliches Magazin.

Schreinerarbeiten wurden jetzt vor allem an Walter Knupper, Schreinermeister in Winterthur, zur Ausführung gegeben. Deren bessere Qualität und die eigenen Leistungen machten die Firm Eugen Betz, Innenarchitekt in Schaffhausen und Zürich trotz, damaligen Krisenjahren, bestens bekannt. Man beschloss deshalb, auch die Räume der Galerie Forter zu mieten, als diese liquidiert wurden.

Bald schon heirateten Emmy Engelhaupt und Eugen Betz. Die neue Einrichtung ihrer Wohnung wurde, noch beor sie in der Wohnung selbst stand, für eine "Ausstellung neuzeitlicher Wohnräume und Handwebereien" verwendet. 

Im gleichen Jahr traf die Nachricht ein, dass in den von Eugen Betz gemieteten Räumlichkeiten des Zürcher Geschäftes ein Cafe entstehen soll – das „Cafe Select“. Als neue Lokalität entschied sich Eugen Betz für Räumlichkeiten an der Bahnhofstrasse 20 im Herzen der Geschäftswelt.

1936 wurde die Tochter von Emmy und Eugen Betz Verena-Ursula Betz geboren. Sie wusste damals noch nicht, dass sie später die Verantwortung für die Jubiläumssaustellung „160 Jahre Betz“ tragen würde.

Schweizerische Landesausstellung bringt grosse Aufträge

Die Schweizerische Landesausstellung 1939 ("Landi"), war für die Firma Betz eine ganz wichtige Ausstellung, an der sie mit einem zwar kleineren, aber überaus schön ausgestatteten Raum teilnahm. Der Raum wurde nicht nur immer wieder gelobt, er brachte auch viele neue, anspruchsvolle Kunden und Aufträge mit sich.
Oscar Reinhart gratulierte mit folgenden Worten: „Herr Betz, Sie haben zwar das kleinste, aber das schönste Zimmer. Kommen Sie zu mir, ich will umbauen."

Der 2. Weltkrieg und erneuter Familienzuwachs

Dann kam der Krieg und Eugen Betz dachte, dass alles vorbei sein würde. Der 2. Weltkrieg brachte Ungewissheit und Verwirrung auch in die Firma Betz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch Eugen Betz selbst leisteten Aktivdienst. Die Einfuhr beinahe aller wichtigen Materialien hörte nach und nach auf. Glücklicherweise hatte man grosse Vorräte an Lager, die es trotz Turbulenzen erlaubten, das Geschäft während den sechs Kriegsjahren 1939 – 1945 weiterzuführen.

Mit Werner-Eugen Betz kam am 3. Oktober  1941 ein Stammhalter zur Welt der es fertigbrachte, dass seinem Grossvater vor Freude die Pfeife aus dem Mund fiel. Werner Betz ahnte damals noch nicht, dass er später mal mit seiner Firma das 160-jährige Jubiläum feiern würde. Am 5. Januar 1942 verstarb Grossvater und Vater Eugen Betz-Wirth im Alter von 80 Jahren. Mit ihm schied ein Mann, der auf viel Lebenserfahrung und berufliche Erfolge zurückblicken konnte. Er besass auch die Grösse, andere davon profitieren zu lassen und seinem Sohn und Nachfolger den Weg auch dann zu ebnen, wenn dieser eine neue, ganz andere Richtung ging. 

Kriegsende

Nachdem Eugen Betz befürchtet hatte, der Krieg würde sein Lebenswerk zerstören und alle Aufträge zunichtemachen, rief ihn einen Tag nach Kriegsende Oscar Reinhart an und sagte: „Herr Betz, wir machen weiter!“.

Die irrtümliche Bombardierung von Schaffhausen am 1. April 1944 hatte das ein Jahr zuvor umgebaute Haus am Ringkengässchen glücklicherweise nicht beschädigt. In den Jahren 1945 und bis anfangs 1947 konnte darum die Liegenschaft umfassend an- und ausgebaut werden. Der Bezug der erweiterten Geschäftsräumlichkeiten erfolgte im Sommer 1947. Die Nachkriegszeit brachte wieder neue, gute Materialien. Sie liess die Lager wachsen, was für die anschliessend einsetzende Hochkonjunktur auch nötig war. Die Auftragslage war gut, die Firma Betz hatte volle Beschäftigung.

Florierende Geschäfte unter der Leitung von Werner Betz

Am 20. Oktober 1954 begann Vreni Betz ihre Lehre als Tapezierer-Näherin in der väterlichen Firma.

Im April 1956 mussten die Geschäftsräume an der Bahnhofsstrasse 20 nach 23 Jahren, wegen Abriss des Gebäudes, verlassen werden. Vorübergehend wurden Räume an der Poststrasse 5 bezogen, bis am 1. Oktober 1956 der Einzug in den eigenen Bau an der Kirchgasse 24 erfolgen konnte.

Am 1. November 1957 begann Werner Betz seine Lehre als Tapezierer in der väterlichen Firma und machte anschliessend an der „école des arts décorativs“ in Genf seine Ausbildung zum Innenarchitekten.

Vreni Betz bildete sich nach einem Jahr Kunstgewerbeschule Zürich weiter und studierte 1959 an der „school of arts and crafts“ in London.

Auch Werner Betz verschlug es ins Ausland, kehrte jedoch nach Auslandsaufenthalten in London und Lahti 1967 zurück und übernahm die Führung der Bauarbeiten des von einem Brand heimgesuchten, elterlichen Geschäfts.

1972 besuchte Werner Betz das SIU (Schweizerisches Institut für Unternehmerschulung) und im August 1973 wurden Kunden, Lieferanten und Freunde darüber informiert, dass die Firma Eugen Betz von Werner Betz, Innenarchitekt unter dem Namen Werner Betz & Co weitergeführt würde. Vreni Betz war weiterhin aktive Teilnehmerin.

Im 1977 kommt Nicole Betz, die Tochter von Vreni Betz zur Welt und im gleichen Jahr heirateten Werner Betz und Rauha Virtanen.

1978 wurde der Laden im Ringkengäschen 13 renoveirt und eröffnet. 

1980 kommt Matti Betz, der Sohn von Rauha und Werner Betz zur Welt.

Der Umzug des Ladens von Zürich in den „Peyerhof“ an der Vordergasse 53 in Schaffhausen und die Übernahme der Firma Carl Binder Teppiche und Orientteppiche erfolgten 1981.

Neu bei Betz waren dann eine eigene Bodenlegerei sowie der Verkauf und die Reparatur von Orientteppichen.

1982 kam das zweite Kind von Rauha und Werner Betz zur Welt - Kathrin Betz. 

Ein Jahr früher kam Andreas Bleisch, der heutige Mitinhaber und Geschäftsführer der Firma Betz, zur Welt und wuchs im gleichen Quartier der Stadt Schaffhausen auf. 

In den Jahren 1982-1990 baute Betz eine eigene Büromöbelabteilung auf und übernahm die Vertretung und Betreuung bekannter Möbelmarken wie zum Beispiel Vitra, USM Haller, Cassina, Artemide und B&B Italia.

Ab 1986 war auch Ehefrau Rauha Betz aktiv am Geschäft beteiligt. Sie übernahm die Führung der Finanzen, des Personalwesens und der Administration.

Im Jahre 1991 erwarb Betz die Liegenschaft der ehemaligen „Coffex Kaffeerösterei“ am Rheinweg 21 in Neuhausen am Rheinfall.

1994 erfolgt der Umzug der Werkstätte, Nähatelier, Bodenlegerei und Lager in die Liegenschaft am Rheinweg 21. Das Büro und die Administration blieben im „Peyerhof“ an der Vordergasse 53 in Schaffhausen.

Die damalige Neuzeit hatte damit für die Firma Betz begonnen und die damalige Geschäftsleitung mit Vreni, Rauha und Werner Betz haben diese Zeit massgeblich geprägt.

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